Lohnfertigung und verlängerte Werkbank: Definition

Stand 2026-11-03 · 5 Min. Lesezeit

Lohnfertigung heißt: Ein Zulieferer fertigt Teile nach Zeichnung und Bestellung des Kunden auf eigenen Maschinen gegen Entgelt. Verlängerte Werkbank beschreibt dieselbe Zusammenarbeit aus Sicht des Einkäufers, dessen eigene Fertigung um fremde Maschinen erweitert wird.

Was bedeutet Lohnfertigung?

Das Wort verbindet Lohn (Entgelt) mit Fertigung. Im Englischen heißt das contract machining oder subcontract machining, wenn gefräst und gedreht wird, und allgemein contract manufacturing oder subcontracting. Der Zulieferer konstruiert das Teil nicht. Die Zeichnung des Kunden legt fest, was entsteht, und der Zulieferer haftet für die Übereinstimmung damit.

Der Lohn ist das Entgelt für die Arbeitsleistung, nicht für das Material. Wer das Rohmaterial kauft, sagt der Begriff deshalb nicht. Im Angebot wird der Unterschied sichtbar: Rechnet der Zulieferer das Material mit ein, steckt dessen Preis im Teilepreis; nennt das Angebot nur eine Bearbeitungsposition, kommt das Vormaterial vom Kunden. Das Einkäufer-Lexikon von Tacto beschreibt Lohnfertigung als Arbeit, bei der Material und Produktdesign beim Kunden bleiben. Der Eintrag zu Lohnbearbeitung hält fest, dass der Auftraggeber das Material stellt und nur die Bearbeitungsleistung bezahlt. Für die Fertigung aus eigenem Material des Zulieferers führt dasselbe Lexikon den Begriff Auftragsfertigung. Eine Definition im BGB oder in einer ISO- oder DIN-Norm haben wir nicht gefunden. Der Auftrag muss die Frage deshalb selbst beantworten.

Was bedeutet verlängerte Werkbank?

Der Begriff meint fremde Maschinen und Bediener, die arbeiten, als stünden sie in der eigenen Halle. Der Zulieferer bringt Spindelstunden und Werkzeug ein. Beim Kunden bleiben die freigegebene Zeichnung, die Materialvorgabe, der Prüfplan und die Entscheidung über die Freigabe.

Nach unserer Lesart benennt Lohnfertigung den einzelnen Auftrag, während verlängerte Werkbank das dauerhafte Verhältnis meint, das aus Wiederholaufträgen entsteht. Das ist unsere Sprachverwendung und keine Normdefinition. Der Artikel zur verlängerten Werkbank für Tier-2-Zulieferer behandelt die Frage, wann Auslastungsspitzen so vergeben werden sollten und was unter Ihrer Kontrolle bleiben muss.

Wie unterscheiden sich die verwandten Begriffe?

In deutschen Zeichnungen, Anfragen und Bestellungen tauchen fünf Begriffe auf. Nur Lohnbearbeitung und Beistellung beantworten die Materialfrage.

Tabelle 1. Begriffe rund um die Auftragsfertigung

BegriffEnglischWas er beschreibtMaterial kommt von
Lohnfertigungcontract machining, subcontract machiningZulieferer fertigt nach Zeichnung und Bestellung des Kundennicht durch den Begriff festgelegt
Lohnbearbeitungprocessing of customer-supplied materialZulieferer führt einen Bearbeitungsschritt ausKunde
Verlängerte Werkbankextended workbenchLohnfertigung als dauerhafte Kapazität unter Kontrolle des Kundennicht durch den Begriff festgelegt
Beistellungcustomer-supplied materialMaterial, Teile oder Werkzeuge, die der Kunde zum Zulieferer schicktKunde
Build-to-printbuild-to-print (englischer Handelsbegriff)Zulieferer fertigt nach fertiger Zeichnung, das Design gehört dem Kundennicht durch den Begriff festgelegt

Quelle: Begriffsverwendung nach den Einträgen Lohnfertigung und Lohnbearbeitung im Tacto Einkäufer-Lexikon, abgerufen am 30.10.2026; Einschätzung von Ertaş Engineering.

Weil die Begriffe sich überschneiden, lässt eine Anfrage mit dem Wort „Lohnfertigung“ offen, ob der Zulieferer Material anbieten soll. Schreiben Sie es in einer Zeile dazu.

Wer stellt das Material, und warum ist das rechtlich wichtig?

Die Materialstellung entscheidet, welche Vertragsregeln greifen. Zwei Fälle markieren die Enden der Spanne.

Tabelle 2. Vertragliche Einordnung nach Materialstellung

FallDeutsches Recht (BGB)CISG, Artikel 3(1)
Zulieferer kauft das Material und liefert das fertige Teil§ 650: Kaufrecht gilt für Verträge über bewegliche Sachen, die noch herzustellen sind. Bei nicht vertretbaren Sachen gelten zusätzlich §§ 642, 643, 645, 648 und 649 des WerkvertragsrechtsAls Kauf behandelt
Kunde stellt das gesamte Material, der Zulieferer spannt es nurWerkvertrag. § 631(2) nennt die Herstellung oder Veränderung einer Sache als möglichen GegenstandKein Kauf, wenn der Käufer einen wesentlichen Teil der Materialien stellt

Quelle: BGB §§ 631 und 650 (gesetze-im-internet.de); CISG Artikel 3(1) (Textfassung, Universität Göttingen). Die Einordnung eines realen Vertrags hängt von seinen Umständen ab.

Mischformen kommen vor. § 650 BGB behandelt selbst den Fall, dass ein Mangel auf Material zurückgeht, das der Käufer geliefert hat, und wendet dafür § 442(1) Satz 1 an. Lassen Sie Ihre Bedingungen von einem Juristen prüfen, bevor Sie sich auf eine der beiden Zeilen verlassen. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Für einen deutschen Käufer und einen Zulieferer in Bursa kann das CISG relevant werden. UNCITRAL führt beide Staaten als Vertragsparteien: für Deutschland gilt das Übereinkommen seit dem 1. Januar 1991, für die Türkei seit dem 1. August 2011. Die Parteien können es ausschließen. Prüfen Sie, ob Ihre Einkaufsbedingungen das tun.

Zoll ist eine eigene Frage, getrennt vom Vertrag. Schicken Sie eigene EU-Ware zur Bearbeitung zu einem Zulieferer in die Türkei, beschreibt die Europäische Kommission die passive Veredelung als besonderes Verfahren für vorübergehend ausgeführte EU-Waren, und es verlangt eine Bewilligung der Zollbehörden. Klären Sie das mit Ihrem Zollagenten vor der ersten Sendung. Die Einfuhrseite behandelt der Artikel zur Einfuhr bearbeiteter Teile aus der Türkei nach Deutschland.

Was sollte ein Auftrag festhalten?

Halten Sie diese Punkte schriftlich fest, weil kein Begriff aus Tabelle 1 sie von sich aus regelt:

  • Wer das Material kauft, wem es gehört, solange es beim Zulieferer liegt, und wer Ausschuss aus Materialverlust trägt.
  • Den Zeichnungsstand und eine Allgemeintoleranzklasse, zum Beispiel ISO 2768-m. DIN Media führt DIN ISO 2768-1:1991-06, die deutsche Übernahme von ISO 2768-1:1989, als gültig.
  • Den Zertifikatstyp nach EN 10204, zum Beispiel 3.1. DIN Media führt DIN EN 10204:2005-01 als gültig.
  • Eine Lieferklausel mit ihrer Ausgabe, zum Beispiel FCA Bursa, Incoterms 2020. Die ICC führt Incoterms 2020 als jüngste Fassung.
  • Das anwendbare Recht und die Angabe, ob das CISG ausgeschlossen ist.

Fehlt eine dieser Angaben, wird der Auftrag trotzdem ausgeführt, nur mit offenem Ergebnis: Der Zulieferer legt seine Annahmen zugrunde, und die stehen später selten in Ihrer Akte.

Die vertragliche Seite behandelt der Artikel zu NDA, geistigem Eigentum und Gewährleistung, die Prüfung des Zulieferers die Checkliste zur Lieferantenqualifizierung.

Unser geprüftes Netzwerk in Bursa fertigt nach Kundenzeichnung, vom CNC-Fräsen und Drehen über Blech und Schweißbaugruppen bis zum Guss mit Zerspanung. Standard ist ISO 2768-m, enger, wo die Zeichnung es vorgibt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Lohnfertigung?
Ein Zulieferer fertigt Teile nach der Zeichnung und Bestellung des Kunden auf eigenen Maschinen gegen Entgelt. Der Begriff sagt nicht, wer das Rohmaterial kauft. Das muss der Auftrag festhalten.
Was heißt verlängerte Werkbank?
Fremde Maschinen und Bediener arbeiten, als gehörten sie zur eigenen Fertigung. Der Zulieferer bringt Spindelstunden und Werkzeuge ein, der Kunde behält die freigegebene Zeichnung, die Materialvorgabe, den Prüfplan und die Freigabeentscheidung.
Worin liegt der Unterschied zwischen Lohnfertigung und Lohnbearbeitung?
Das Einkäufer-Lexikon von Tacto beschreibt Lohnbearbeitung als Arbeit an Material, das der Kunde stellt und für die er nur die Bearbeitung bezahlt. Material aus eigener Beschaffung des Zulieferers führt dasselbe Lexikon unter dem Begriff Auftragsfertigung.
Ist Lohnfertigung ein Werkvertrag oder ein Kaufvertrag?
Das hängt vom Vertrag ab. Liefert der Zulieferer ein fertiges Teil aus eigenem Material, gilt nach § 650 BGB Kaufrecht, bei nicht vertretbaren Sachen ergänzt um Regeln des Werkvertrags. Bearbeitet er nur das Material des Kunden, liegt in der Regel ein Werkvertrag nach § 631 BGB vor.
Gilt das CISG für Lohnfertigung zwischen Deutschland und der Türkei?
Es kann gelten. Beide Staaten sind Vertragsparteien, und Artikel 3(1) behandelt Verträge über noch herzustellende Waren als Kauf, sofern der Käufer nicht einen wesentlichen Teil der Materialien stellt. Die Parteien können das Übereinkommen ausschließen, prüfen Sie also Ihre Einkaufsbedingungen.

Quellen

  1. § 631 BGB, Vertragstypische Pflichten beim Werkvertrag (Gesetze im Internet)
  2. § 650 BGB, Werklieferungsvertrag (Gesetze im Internet)
  3. CISG Artikel 3, Text (Universität Göttingen)
  4. CISG, Vertragsstaaten und Inkrafttreten für die Türkei und Deutschland (UNCITRAL)
  5. Passive Veredelung (Europäische Kommission, GD TAXUD)
  6. Lohnfertigung, Einkäufer-Lexikon (Tacto)
  7. Lohnbearbeitung, Einkäufer-Lexikon (Tacto)
  8. DIN ISO 2768-1:1991-06, Allgemeintoleranzen, gültig (DIN Media)
  9. DIN EN 10204:2005-01, Metallische Erzeugnisse, Arten von Prüfbescheinigungen, gültig (DIN Media)
  10. Incoterms 2020 (Internationale Handelskammer)

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